Historie - Gründung

Die damalige Landesheilanstalt 1906
Die damalige Landesheilanstalt 1906

Am 25. Oktober 1897 wurden die ersten Patienten und Patientinnen in die neuen Gebäude der „Heil- und Pflegeanstalt" bei Weilmünster, damals eine Einrichtung des preußischen Bezirksverbandes Wiesbaden, aufgenommen. Schon nach wenigen Jahren sollten über tausend Menschen in der Großanstalt versorgt werden. Sie stammten überwiegend aus den anwachsenden städtischen Ballungszentren, insbesondere aus Frankfurt am Main, und wurden aufgrund psychischer Leiden, geistiger Behinderung und Armut aufgenommen oder, da sie sich eines Verstoßes gegen die geltenden Gesetze schuldig gemacht hatten, von den Behörden eingewiesen.

Die Einrichtung war um die Wende zum 20. Jahrhundert eine unter ärztlichem Direktorium streng hierarchisch geführte Anstalt, in der die Insassen vor allem diszipliniert, seltener aber - entsprechend den Kenntnissen der Zeit - therapiert wurden. Der von der Außenwelt abgeschnittene Anstaltsalltag gestaltete sich für Insassen und Personal überwiegend eintönig. Vielen Kranken stand ein Anstaltsleben auf Dauer bevor, da Rehabilitationshilfen fehlten.

Der Weg vom psychiatrischen Armenasyl des Wilhelminischen Kaiserreichs zu einem modernen Klinikum und Heilpädagogischer Einrichtung war jedoch keineswegs geradlinig: Die Bestimmung der Einrichtung änderte sich insgesamt fünfmal, entsprechend den jeweiligen gesellschaftlichen Bedürfnissen: Dreimal dienten die Gebäude psychiatrischer Versorgung und zweimal als Sanatorium der Tuberkulosefürsorge. Stets war die Einrichtung ein Spiegel der Zeiten: Die aktive Gesundheitspolitik der frühen Weimarer Republik schlug sich in der Gründung eines Kindersanatoriums nieder, in dem sich TBC-gefährdete Großstadtkinder erholen konnten. Die Weltwirtschaftskrise setzte diesem Modell der Krankheitsverhütung aus finanziellen Gründen jedoch bald wieder ein Ende.

 

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